Handball 2. Liga: „Kiel? Dort zu spielen ist Kult“ / Mehrere HSG-Handballer mit Einsätzen in höchster Spielklasse

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Handball 2. Liga: „Kiel? Dort zu spielen ist Kult“ / Mehrere HSG-Handballer mit Einsätzen in höchster Spielklasse

Von Holger Wilkens (Grafschafter Nachrichten)

Nordhorn Zehn Jahre lang war die HSG Nordhorn-Lingen nicht in der 1. Handball-Bundesliga dabei – und trotzdem steckt viel Erfahrung auch in dieser höchsten deutschen Spielklasse im Kader der Mannschaft, die nach einer überragenden Saison in diesen Tagen den Aufstieg geschafft hat: Gleich elf HSG-Spieler haben mindestens einen Einsatz im Handball-Oberhaus bestritten (siehe Grafik). Die mit Abstand meisten Erstliga-Partien hat Nicky Verjans auf dem Buckel: 115 für die HSG (zwischen 2005 und 2009) und 50 für den TuS N-Lübbecke in den Spielzeiten 2010/11 und 2011/12.

Seit der Saison 2005/06 und damit seit 14 Spielzeiten ununterbrochen dabei ist Pavel Mickal. Im Sommer 2005 vom HC Gumárny Zubri aus seiner tschechischen Heimat gewechselt, ist der heute 35-Jährige in der Grafschaft längst heimisch geworden. In den ersten vier Spielzeiten in der 1. Liga stand er 91 Mal auf dem Feld, seit dem Abstieg war er Stammkraft in der Zweitliga-Mannschaft. „In den ersten Jahren haben wir oben mitgespielt, alles war gut“, erinnert er sich, „zuletzt aber war immer mehr das Potenzial und der Wille in dieser Mannschaft zu erkennen.“ Jetzt freut er sich auf ein neues Kapitel in der 1. Liga. „Es ist einfach unglaublich, dass wir es alle zusammen geschafft haben“, sagte er, „wie hart wir dafür gearbeitet haben, wissen nur wir. Jetzt wollen wir die 1. Bundesliga genießen.“

Mickal gehörte – ebenso wie Nicky Verjans, Heiner Bültmann als Co-Trainer und der damalige A-Jugendliche Alex Terwolbeck – zur HSG-Mannschaft, die vor ziemlich genau zehn Jahren eine schwierige Saison mit Insolvenz und Zwangsabstieg allen Widrigkeiten zum Trotz bravourös zu Ende spielte und sich am 6. Juni mit einem Heimsieg gegen Balingen eindrucksvoll aus der Liga verabschiedete. Wenige Tage zuvor triumphierte die Truppe, die nach der Saison auseinanderbrach, sogar in Flensburg mit 35:33. Jetzt geht es für die HSG wieder in die Campushalle (die mittlerweile Flens-Arena heißt), in die SAP-Arena zu den Rhein-Neckar Löwen oder in die Kieler Sparkassen-Arena. „Da freue ich mich sehr drauf“, sagt Mickal, der einen Vertrag bis 2020 besitzt, „in Kiel zu spielen ist immer noch etwas ganz Besonderes. Das ist einfach Kult.“ In den beiden Duellen gegen den deutschen Rekordmeister THW trifft er auch einen früheren Mitspieler wieder: „Schön, dass ich dann Steffen Weinhold treffen werde. Auch auf Csaba Szücs vom Bergischen HC freue ich mich. Zu Beiden habe ich noch guten Kontakt.“ Weinhold spielte von 2007 bis 2009 für die HSG und entwickelte sich hier zum Nationalspieler, Szücs in der bislang letzten Nordhorner Bundesliga-Saison. Und dann ist da noch Bobby Schagen: Der Niederländer spielte von 2010 bis 2015 bei der HSG mit vielen Handballern der Aufstiegs-Mannschaft zusammen, war einer der Publikumslieblinge in beiden Heimhallen und fester Bestandteil des Zwei-Städte-Teams in den ersten Zweitliga-Jahren, ehe er den Sprung eine Spielklasse höher nach Lübbecke wagte. Im Sommer nun wechselt er vom TVB Stuttgart zum TBV Lemgo. „Klar, auf Bobby freuen wir uns auf jeden Fall auch“, betont Mickal. Das beruht im übrigen auf Gegenseitigkeit, wie der Niederländer nach dem geglückten HSG-Aufstieg über die Social-Media-Plattform Instagram wissen ließ – garniert mit einem Jubelfoto von ihm im roten HSG-Dress.

Nordhorns Rekordspieler Mickal war in der vergangenen Saison in allen 38 Punktspielen dabei (genauso wie Luca de Boer, Alec Smit, Julian Possehl und Georg Pöhle). Und auch für die nächste Saison nimmt sich der 35-Jährige viel vor: „Die Regeneration dauert in meinem Alter mittlerweile etwas länger“, lacht er, „aber ich bin Profi, und wenn ich auf dem Feld stehe, will ich unbedingt gewinnen.“ Was zum Beispiel den Umfang des Krafttrainings angeht, genießt der Linksaußen mittlerweile etwas mehr Freiheiten als seine jüngeren Mitspieler. „Aber solange ich jede Partie 60 Minuten durchspielen kann, kann es dem Trainer egal sein“, lacht er.