Handball 2. Bundesliga: Sogar die Torbilanz kann entscheiden

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Handball 2. Bundesliga: Sogar die Torbilanz kann entscheiden

Von Frank Hartlef – Grafschafter Nachrichten

Fünf Spieltage vor Ende der Zweitligasaison sind noch drei Teams im Rennen um die zwei Aufstiegsplätze: HBW Balingen-Weilstetten, HSG Nordhorn-Lingen und HSC Coburg. Beim Blick aufs Restprogramm dieses Trios könnte man die HSG bei oberflächlicher Betrachtung leicht im Vorteil sehen. Bis auf den TuS N-Lübbecke bekommt sie es ausschließlich mit Teams aus der unteren Tabellenhälfte zu tun. Außerdem hat die Mannschaft von Trainer Heiner Bültmann drei Mal Heimrecht – und vor eigenem Publikum gab es in dieser Saison nur eine Niederlage, am 30. September gegen Balingen (26:29).

Auch die Coburger haben noch drei Heimspiele, doch schon das erste am Freitag hat es in sich, erwartet der Tabellendritte doch Spitzenreiter Balingen. „Das ist natürlich ein Kracher zu diesem Zeitpunkt“, sagt Bültmann, „und beide Teams stehen unter Druck.“ Verliert Balingen, ist sogar der Titelkampf wieder völlig offen; verliert Coburg, hinken die Franken dem zweiten Platz schon drei Punkte hinterher, vorausgesetzt natürlich die HSG erledigt die Pflichtaufgabe gegen den Tabellenletzten HC Rhein Vikings (So., 17 Uhr, Emsland-Arena). Welches Ergebnis er bei diesem Gipfeltreffen bevorzugt, beantwortet Bültmann nur indirekt: „Ich will aufsteigen, die Meisterschaft ist da ziemlich egal.“ Heißt im Klartext: Dem HSG-Trainer wäre ein Balinger Sieg lieber, um ein sicheres Polster gegenüber dem dritten Aufstiegsaspiranten aus Coburg zu haben. Da könnte sich die HSG auf der Zielgeraden sogar mal einen Ausrutscher erlauben, ohne gleich den zweiten Tabellenplatz abtreten zu müssen.

Grundsätzlich wollen sie es bei der HSG aber weiter so halten, den Fokus auf die eigenen Spiele zu richten und sich nicht damit zu befassen, was die Konkurrenz macht. „Wir wollen unsere Spiele gewinnen“, sagt Bültmann, „und wenn wir das schaffen, müssen wir nicht auf die anderen achten.“ Das Restprogramm des Spitzentrios zu deuten, hält er ohnehin für Kaffeesatzleserei: „Ich tue mich schwer, da etwas herauslesen zu wollen.“ Ein Beispiel: Es müsse für die HSG nicht unbedingt einfacher sein, bei Abstiegskandidaten wie Aue und Wilhelmshaven anzutreten, denn: Solange es für diese Klubs gegen den Abstieg geht, werden sie mit Klauen und Zähnen die Punkte festhalten. Und selbst wenn sie zum Zeitpunkt des Spiels gegen die HSG schon abgestiegen oder bereits gerettet sein sollten, „wollen sie den eigenen Fans immer noch eine gute Leistung bieten“, argumentiert der HSG-Trainer. Und andererseits müsse es für Balingen nicht unbedingt ein Nachteil sein, gegen Teams wie Essen und Emsdetten zu spielen, „die jenseits von Gut und Böse stehen“.

Ganz sicher ist Bültmann, dass beim packenden Saisonfinale um die zwei Aufstiegsplätze das Torverhältnis eine entscheidende Rolle spielen kann: „So eng wie es da vorn ist, kann das definitiv ein Faktor werden.“ Doch nun schon am Sonntag gegen die Rhein Vikings bewusst darauf zu gehen, etwas für die eigene Torbilanz zu tun, warnt der 47-jährige Schüttorfer, „ist der erste Fehler, den man machen kann. Mit diesem Vorsatz geht das garantiert in die Hose.“ Stattdessen sei es angesagt, gerade gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner über 60 Minuten wach und konzentriert bei der Sache zu sein. Als Musterbeispiel führt Bültmann den 37:25-Sieg in Dessau an: „Da lagen wir sechs, sieben Tore vorn und haben es am Ende durchgezogen.“ Und so den zweithöchsten Auswärtssieg der Saison eingefahren.

Gespannt sein darf man darauf, wie die HSG-Spieler es verkraften, nach der wochenlangen Jagd auf das Spitzenduo nun plötzlich selbst die Gejagten zu sein, die etwas zu verlieren haben. „Ich habe bisher nicht das Gefühl“, antwortet Bültmann auf die Frage danach, ob das einen negativen Einfluss auf seine Mannschaft haben könnte und betont: „Ich habe nicht einmal das Gefühl, dass die Mannschaft das überhaupt beschäftigt.“