Ahlener Trainerhistorie: Kritischer November

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Ahlener Trainerhistorie: Kritischer November

Nach 20 Jahren kehrte Björn Mehnert als Trainer zu Rot-Weiß Ahlen zurück. Im Jahre 2000 hatte er den Klub an der Werse verlassen, weil es „sportlich nicht gepasst hat“, erklärte er in einem Interview in der Sommerpause. Nun passte den Rot-Weiß-Verantwortlichen die sportliche Situation nicht und Mehnert musste als Schuldiger seinen Stuhl räumen. Als Spieler absolvierte er elf Meisterschaftsspiele für Ahlen, als Trainer waren es nun zwei mehr. Die Beziehung schien nicht auf Konstanz ausgerichtet zu sein.

Grundsätzlich ist bei den Ahlenern Konstanz auf dem Trainerposten eher ein Fremdwort. Ein Blick in die Historie zeigt, dass der Übungsleiterposten in Ahlen ein heißer Stuhl war und immer noch ist. 33 Trainer haben die Ahlener in den letzten 30 Jahren verschlissen, 31 waren es in den letzten 25 Spielzeiten. Andreas Zimmermann ist nun der 34. und soll es richten, den Tabellenletzten doch noch zum Klassenerhalt führen. Zimmermann ist dabei Wiederholungstäter, übernahm im Jahre 2009 für 23 Tage das Kommando, nachdem sich der damalige Zweitligist von Stefan Emmerling getrennt hatte. Auf Zimmermann folgte Christian Hock. Der Abstieg konnte nicht verhindert werden, Ahlen wurde Letzter. Der Beginn von drei ganz schweren Jahren, die Ahlen in die Fünftklassigkeit abtauchen ließ. Nur der Auflösung der NRW-Liga war es damals zu verdanken, dass Ahlen fünftklassig blieb und sich sportlich konsolidierte. Mit dazu beigetragen hatte Marco Antwerpen, der erst kürzlich in Würzburg nach nur fünf Spielen entlassen wurde. Mit den Rot-Weißen stieg er 2015 in die Regionalliga auf und hätte auch fast ein Jahr später die Klasse halten können, wenn er nicht einen Spieltag vor Saisonende zusammen mit seinem Co-Trainer Uwe Peters und Spieler Felix Backszat fristlos entlassen worden wäre. Die nicht gerade geräuscharmen Beendigungen seiner Trainertätigkeiten scheinen derzeit seinen Weg zu pflastern, sei es in Ahlen, bei Viktoria Köln, Preußen Münster oder nun in Würzburg.

Der triste November war für Ahlener Trainer auch immer schon ein kritischer Monat. Nun schon zum fünften Mal wurde ein Übungsleiter in Ahlen im November entlassen. In keinem anderen Monat waren es mehr. Immerhin vier Trainer mussten schon im Oktober ihren Stuhl räumen. Als ersten traf es Peter Neururer im Jahre 2001. In der Vorsaison hatte „Peter der Große“ nach furioser Aufholjagd den Aufstieg in die Bundesliga nur knapp verpasst (6. Platz). Vier sieglose Spiele in Folge und das Abrutschen auf Rang zehn hatten Neururer den Job gekostet. Ein Jahr später musste Uwe Rapolder im November gehen. 2003 erwischte es den heutigen U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz. Auch er ging nach vier sieglosen Spielen. Damals stand Ahlen allerdings auf dem letzten Platz in der 2. Bundesliga. Der vierte Trainer, der Ahlen im November verlassen musste, war Thomas Berndsen. Er hatte in der Saison 2011/12 allerdings eine unglückliche Aufgabe übernommen, weil Ahlen sich aus finanziellen Gründen freiwillig von der 3. Liga in die NRW-Liga zurückgezogen hatte. In jener Saison gab es letztmalig drei verschiedene Trainer auf der Ahlener Trainerbank.

Am längsten war Joachim Krug für Ahlen als Trainer tätig, insgesamt 1716 Tage, gefolgt von Marco Antwerpen (1129), Franz-Josef Tenhagen (698) und Christian Britscho (629). Abzüglich der Interimstrainer hatten Mircea Onisemiuc (108 Tage), Bernard Dietz (120) und Stefan Kuntz (135) die kürzeste Verweildauer an der Werse. Björn Mehnert liegt in dieser Rangliste mit 138 Tagen auf Platz fünf.

Zum 23. Mal tauschte Ahlen den Trainer während einer Saison aus. Vier Abstiege wurden in den letzten 30 Jahren registriert. In drei dieser vier Spielzeiten gab es auch mindestens einen Trainerwechsel. Nur 2010/11 blieb Arie van Lent die gesamte Saison. Allerdings hatten sich die Rot-Weißen sportlich für die 3. Liga qualifiziert, aber das Insolvenzverfahren führte zum Zwangsabstieg.